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Antibiotika-Resistenzen bei Bakterien: Was tun bei MRSA & Co?

19.08.2019

Antibiotika-Resistenzen bei Bakterien

Was ist eigentlich MRSA?

MRSA hat sich zu einem Schreckgespenst für Ärzte, Pfleger und Patienten entwickelt. Das Kürzel steht für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, auch bekannt als Krankenhauskeim.

Die Bakterienart Staphylococcus aureus kommt natürlicherweise fast überall in der Umwelt vor, so auch auf unserer Haut. Unter bestimmten Umständen kann der Keim hässliche Infektionen verursachen, lebenswichtige Organe wie Lunge, Herz, Nieren befallen und sogar zum Toxischen Schocksyndrom oder zu Blutvergiftung führen. Lange konnte der Erreger mit Antibiotika in Schach gehalten werden. Zum Problem wurde er, weil ihn viele Antibiotika nicht mehr beeindrucken: Immer mehr Stämme reagieren inzwischen nicht einmal mehr auf Methicillin, das jahrelang als zuverlässiges Mittel gegen besonders hartnäckige Erreger mit vielen Resistenzen galt.

Woher kommt Antibiotikaresistenz?

Grund für diese bedrohliche Entwicklung ist der allzu sorglose Umgang mit Antibiotika: Ärzte, Krankenhäuser und industrielle Landwirtschaft bringen Unmengen davon in die Umwelt und verschaffen solchen Bakterien einen Selektionsvorteil, deren Stoffwechsel damit umzugehen weiß.

Das bekannteste Antibiotikum ist Penicillin. Es tötet wachsende Keime ab, indem es die Synthese der bakteriellen Zellwand stört. Davor schützen sich Bakterien mithilfe des Enzyms Penicillinase, das das Ringsystem des Penicillin-Moleküls spaltet und unschädlich macht.

Die genetische Information für solche Schutzmechanismen liegt auf Plasmiden. Diese kleinen DNA-Ringe agieren unabhängig vom Chromosom eines Bakteriums. So können sie problemlos weitergegeben werden, auch über Artgrenzen hinweg. Staphylokokken gehören zu den verbreitetsten und fleißigsten Plasmidsammlern. Sie wurden als Erste multiresistent, aber immer mehr Bakteriengattungen tun es ihnen gleich.

MRSA als Hospitalismuskeim

Eine Multiresistenz verschafft immer dann einen Selektionsvorteil, wenn Antibiotika ins Spiel kommen und ungeschützte Konkurrenten ausschalten. In Krankenhäusern, wo solche Medikamente tagtäglich Verwendung finden, ist das besonders oft der Fall. Daher tritt MRSA in Kliniken gehäuft auf.

Hier finden sich Patienten, um deren Immunsystem es aufgrund einer Erkrankung nicht zum Besten bestellt ist. Dann reichen oft wenige Keime aus, um eine Infektion mit MRSA auszulösen.

Wie kann Homöopathie bei MRSA helfen?

So schnell wie „normale“ Staphylokokken wird man MRSA nicht los. Schulmediziner müssen in einem mikrobiologischen Labor nach einem geeigneten Antibiotikum fahnden lassen. Das kann eine Weile dauern und ist nicht immer erfolgreich.

Die Homöopathie kann in dieser Zeit hilfreich zur Seite stehen: Zu den homöopathischen Allzweckwaffen bei geschwächter Immunabwehr gehört das Mittel Echinacea. Es wird in Akutfällen meist in D-Potenzen eingesetzt.

Das Mittel Staphylococcinum wird aus Staphylococcus aureus hergestellt und kann Infektionen mit diesem Erreger positiv beeinflussen. Man verwendet es bei Furunkeln oder Gerstenkörnern genauso wie bei Nasennebenhöhlen- oder Mandelentzündungen, ebenfalls vor allem in D-Potenzen (1).

Indische Homöopathen setzen bei Infektionen mit Staphylococcus aureus auch Aurum arsenicum (Ramakrishnan) oder Hepar sulfuris zusammen mit einer Mischung aus Hypericum und Arsenicum album (Banerji) ein (2).

Zukunftsmusik

Neu ist die moderne Methode der Phagentherapie. Phagen sind Viren, die sich auf Bakterien spezialisiert haben. Sie nutzen die Keime als Wirte für ihre eigene Vermehrung. Dazu schleusen sie ihr Erbgut in ein Bakterium ein und programmieren die Zelle auf Virusherstellung um. Derzeit arbeitet das Wiener Unternehmen PhagomedBiopharma an der Entwicklung entsprechender Medikamente (3).

Das mit MRSA nahe verwandte Bakterium Staphylococcus epidermidis besiedelt ebenfalls unsere Haut. Der Keim produziert ein Enzym, das Staphylococcus aureus von der Bildung eines schützenden Biofilms abhält (4). Anderen Wissenschaftlern ist es gelungen, die Bildung von Aureusaminen zu unterdrücken. Ohne diese Proteine verliert Staphylococcus aureus seine krank machenden Eigenschaften weitgehend (5). Ob diese Erkenntnisse eines Tages zur Entwicklung von Medikamenten führen werden, ist noch offen.

Cannabinoide aus der Hanfpflanze sind vor kurzem in Deutschland als Schmerzmittel zugelassen worden. Sie bringen das „System Körper“ insgesamt wieder ins Gleichgewicht. Das gilt für das Stoffwechselgeschehen genauso wie für Entzündungsreaktionen aller Art, so auch für Infektionen mit MRSA (6).

Fazit

Seit Urzeiten kämpfen die Menschen mit krankmachenden Bakterien. Mal haben die einen die Oberhand, mal die anderen: Immer wieder verlieren Antibiotika ihre Wirksamkeit und müssen durch neue ersetzt werden. Es wird deshalb zunehmend wichtiger, Infektionskrankheiten ohne Einsatz von Antibiotika zu behandeln, wann immer das möglich ist. Je weniger Antibiotika in die Umwelt gelangen, desto seltener werden Bakterienstämme mit neuen Resistenzen auftreten.

Quellen und weiterführende Links

  1. Camilla Fischer, Die SANUKEHL-Präparate, 2011
    http://www.semmelweis.de/pdf/pdf.php?name=96_fischer_sanukehle&ext=pdf
  1. Joette Calabrese, Practical Homeopathy, 2016
    https://joettecalabrese.com/blog/nailing-mrsa-with-homeopathy/
  1. Pressemitteilung PhagomedBiopharma, 27. Juni 2019
    https://www.phagomed.com/
  1. Dayuki Iwase et al., Nature 465, 2010
    https://academic.oup.com/femspd/article/70/3/321/568107
  1. Wyatt MA et al., Science 329, 2010
    https://watermark.silverchair.com/65-3-399.pdf
  1. MICHAEL BACKES, Cannabis als Medizin, Kopp-Verlag 2016
    https://www.kopp-verlag.de/Cannabis-als-Medizin.htm

Autor

Dr. rer. nat. Hans Josef Schöneberger
Molekularbiologe, Wissenschaftsjournalist, Heilpraktiker

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