Aktuelles aus der Homöopathie

Homöopathie: Aktueller Stand der Forschung

06.05.2022

In den Medien wird oft behauptet, die Wirkung von Homöopathie sei wissenschaftlich nicht belegt. Erfolgreiche Behandlungen mit Globuli und Tinkturen hätten etwas mit Einbildung zu tun und ließen sich kritisch betrachtet nicht von der eines Placebo unterscheiden. Dieser Sichtweise steht ein aktueller Forschungsbericht von WissHom entgegen: Er beleuchtet eine Auswahl von wichtigen und qualitativ hochwertigen Forschungsarbeiten, die einen klaren Unterschied in der Wirkung homöopathischer Therapien im Vergleich zu einem Scheinmedikament aufzeigen.

Homöopathie-Forschung

WissHom-Bericht zum Stand der homöopathischen Forschung

Anfang November 2021 hat Wisshom eine Übersicht der Ergebnisse aktueller homöopathischer Forschung herausgebracht. Der 28-seitige Forschungsbericht wurde von Prof. Dr. med. Michael Frass (Wien), Dr. sc. Susanne Ulbrich Zürni (Zürich), Curt Kösters (Hamburg) und Dr. med. vet. Petra Weiermayer (Wien) verfasst und umfasst insgesamt 71 ausgewählte medizinische Veröffentlichungen. Wichtiges Auswahlkriterium: Die Studien mussten höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügen und von hoher Qualität sein.

Wer ist WissHom?

WissHom ist das Kürzel für die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie e.V. (Scientific Society for Homeopathy) mit Sitz in Köthen (Anhalt). Die unabhängige Institution wurde 2010 mit dem Ziel gegründet, die homöopathische Forschung national und international zu fördern – heißt vorhandenes Wissen zu sichten, zu sammeln und zu bewerten und neue Untersuchungen voranzubringen. Letztlich soll diese enge Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern, Forschungseinrichtungen und Berufsverbänden für mehr Anerkennung der Homöopathie in Forschung, Praxis und Lehre sorgen.

Was definiert qualitativ hochwertige Forschung?

RCT heißt das Zauberwort – Randomized Controlled Studies, randomisierte Kontrollstudien, die zudem doppelblind und Placebo-kontrolliert sein sollten. Diese wissenschaftlichen Untersuchungen, bei denen die Patienten zufällig in Behandlungs- und Kontrollgruppen eingeteilt werden, ein Arzneimittel mit einem Placebo verglichen wird und bei dem allein die wenigen Personen der Studienleitung wissen, welcher Proband was bekommt gelten als Goldstandard der medizinischen Forschung. Sie sind die anerkannte Königsklasse wissenschaftlicher Beweisführung, da eine gezielte Einflussnahme von außen wie auch persönliche Befindlichkeiten und Einstellungen keine Rolle spielen.

Systematische Reviews, Übersichtsarbeiten und Metaanalysen untersuchen nach vorgegebenen Kriterien solche klinischen und vorklinischen Studien, bewerten sie in der Zusammenschau neu und schließen eigene Rückschlüsse über die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Therapie. Wichtig für solche übergeordneten Sichtweisen sind zudem die Ergebnisse der evidenzbasierten Medizin wie auch der Grundlagenforschung.

Warum gibt es so wenige hochwertige Untersuchungen zur Homöopathie?

Bei einem neuen Medikament oder Impfstoff ist die Vorgehensweise recht einfach: Was sich in präklinischen Experimenten an Zellkulturzellen und Tieren als erfolgversprechend erwiesen hat muss sich in verschiedenen Phasen klinischer Studien bewähren. Hier wird die Therapie beim Menschen auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft. Erkrankte Patienten bekommen nach dem Zufallsprinzip den neuen Arzneistoff oder ein Scheinmedikament, das sich von diesem nicht unterscheiden lässt. Letztlich gilt es festzustellen, ob das neue Medikament die Beschwerden tatsächlich bessert und dass es einen deutlichen Unterschied zur Wirkung des Placebos gibt.

Das Problem der Homöopathie: Die Wahl des Arzneimittels richtet sich nicht nach der Erkrankung, sondern nach dem Gesamtbild des Patienten. Eine gründliche Anamnese ist die Grundvoraussetzung für die Mittelwahl, und am Ende können je nach deren Ergebnis völlig unterschiedliche Mittel bei ein und derselben Krankheit zum Einsatz kommen. Ein Präparat - ein Placebo – das funktioniert naturgemäß so nicht.

Zudem sind homöopathische Arzneimittel nicht patentierbar – klinische Studien aber langwierig und vor allem teuer. Dementsprechend gering ist das Interesse der Pharmaindustrie, Geld für Untersuchungen auszugeben, bei denen man hinterher nicht der alleinige Nutznießer ist und bei denen ein Medikament bestenfalls zu einem Spottpreis angeboten werden kann.

WissHom-Bericht: Bei welchen Krankheiten könnte Homöopathie helfen?

Unter den besprochenen Veröffentlichungen finden sich vor allem solche, die als die größten Herausforderungen der modernen Medizin gelten. Gerade hier kommt jede Hilfe gelegen. WissHom zeigt, dass der komplementärmedizinische Einsatz homöopathischer Therapien bei der Bewältigung dieser Herausforderung sinnvoll sein kann. Hier sei nur eine kleine Auswahl der in den 71 Veröffentlichungen angesprochenen Möglichkeiten vorgestellt.

Homöopathie als Hilfsmittel gegen Antibiotika-Resistenz

Erst die Entdeckung des Penicillins und weiterer antibakteriell wirksamer Substanzen hat das aktuelle Bevölkerungswachstum ermöglicht: Noch vor etwas über hundert Jahren war der Mensch Infektionen hilflos ausgeliefert. Inzwischen zeigt die Pharmaindustrie nur noch wenig Interesse an der Entwicklung neuer Antibiotika – geradezu grotesk in Anbetracht der wachsenden Zahl von MRSA und anderen multiresistenten Keimen, die sich in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, aber auch in der Tierhaltung zu einem unbeherrschbaren Problem zu entwickeln drohen.

  • Schlimmer als im Krankenhaus: Selbst die kostbaren Reserveantibiotika werden in der Tierzucht unnütz verschleudert und sorgen für neue Resistenzen. In der Folge leiden immer mehr Patienten an nicht kurablen Infektionen. Der Review von Weiermayer et al. (2020) weist ausdrücklich auf das Ziel hin, den Antibiotikaeinsatz in der EU bis 2030 zu halbieren und dass laut indikationsübergreifenden Metaanalysen die Homöopathie hierfür eine Option darstellt.
  • Dass in homöopathischen Arztpraxen weniger Antibiotika verschrieben werden als in konventionellen kommt diesem Ziel sehr entgegen. Witt et al. (2005) zufolge sind es schätzungsweise nur halb so viele. Abgesehen davon, dass dies die ungemein wichtige Darmflora schont wird dadurch die Gefahr neuer Resistenzen gemindert.

Chronische Erkrankungen lassen sich mit Homöopathie behandeln

Neben akuten spielen langwierige Erkrankungen in der modernen Medizin eine wachsende Rolle. Ein steigender Altersdurchschnitt und aktuelle Therapieverfahren sorgen für immer mehr chronisch erkrankte und häufig multimorbide, also an mehreren Krankheiten leidende Patienten.

  • Die bereits erwähnte Beobachtungsstudie von Witt et al. (2005) an der Berliner Charité konnte zeigen, dass die homöopathische Behandlung die Beschwerden von Migräne, Bluthochdruck, Neurodermitis und Heuschnupfen teils auf die Hälfte reduzierte und so zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität führte.
  • 60 Probanden mit chronischen Schlafstörungen erhielten in der klinischen Studie von Michael et al. (2019) ein homöopathisches Arzneimittel oder ein Placebo. Innerhalb von drei Monaten hatten sich in der ersteren Gruppe fünf von sechs Kriterien gesunden Schlafes signifikant verbessert.

Durch Homöopathie weniger Medikamente nehmen

Mit Homöopathie lässt sich auch der Einsatz anderer Arzneimittel einschränken, ganz ähnlich wie bei der Antibiose. Als Polypharmazie oder Multimedikation bezeichnet man die Einnahme mehrerer Medikamente. Diese kann zu unvorhergesehenen Nebenwirkungen verursachen, denn die Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln sind aufgrund der komplizierten Pharmakokinetik nur unzureichend erforscht. Eine homöopathische Behandlung anstelle einer weiteren Pille wäre dabei oft das Mittel der Wahl, denn hier wurden bisher keine solchen Interaktionen beschrieben.

In diesem Zusammenhang ist die von 2012-2016 gelaufene EPI3-Kohortenstudie besonders interessant, in der man insgesamt 8.559 Patienten mit oder ohne homöopathische Zusatzbehandlung therapierte. Die Ergebnisse wurden in mehreren Veröffentlichungen publiziert; eine Auswahl:

  • Erkrankungen der oberen Atemwege: Bei 518 Kindern und Erwachsenen zeigte Homöopathie einen vergleichbaren Erfolg wie die konventionelle Therapie. Allerdings wurden dafür etwa nur halb so viele Antibiotika, Entzündungshemmer und fiebersenkende Mittel verschrieben (Grimaldi-Bensouda et al. 2008).
  • Rheumatoide Arthritis und andere muskuloskelettalen Erkrankungen: Auch hier ließ sich nach 12-monatiger Behandlung kein signifikanter Unterschied zwischen der konventionellen und der homöopathischen Behandlung feststellen. Bei der letzteren setzte man jedoch nur die Hälfte der sonst üblichen nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) und Schmerzmittel ein (Rossignol et al. 2012).
  • Depressionen und Angststörungen: Unter den untersuchten 710 Patienten war bei den homöopathisch behandelten ein größerer Rückgang der klinischen Symptome zu verzeichnen. Zudem kamen weniger als ein Drittel der sonst üblichen Psychopharmaka zur Anwendung (Grimaldi-Bensouda et al. 2016).

Mit Homöopathie die Nebenwirkungen einer Krebsbehandlung lindern

Bei der Therapie von Krebs stehen die operative Versorgung mit nachfolgender Bestrahlung und/oder Chemotherapie im Vordergrund. Zytostatika und Strahlenschäden greifen insbesondere die schnell wachsenden Krebszellen an, aber auch Gewebe mit hohem Zellumsatz. Das führt beim Epithel des Magen-Darm-Traktes zu Übelkeit und Durchfällen, im Hautepithel zu Haarausfall und vielen weiteren Beschwerden wie Schmerzen und psychischen Beeinträchtigungen.

Hauptziele einer komplementären Krebsbehandlung sind die Linderung der mit Chemo und Bestrahlung auftretenden Beschwerden und die Erhöhung der Lebensqualität. Dass Homöopathie in vielen Fällen eine sinnvolle Ergänzung der konventionellen Therapie sein kann ist ein altbekanntes Phänomen, das letztens in einer randomisierten, doppelblinden und Placebo-kontrollierten Studie über nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) im fortgeschrittenen Stadium untersucht wurde:

  • Frass et al. (2020) konnten zeigen, dass sich mit einer zusätzlichen homöopathischen Behandlung nicht nur die Beschwerden verringern und die Lebensqualität erhöhen ließen, sondern auch die Überlebenszeit gegenüber konventioneller Therapie und Placebo erhöht Während zwischen Placebo (257 Tage) und reiner Chemotherapie (228 Tage) kein signifikanter Unterschied feststellbar war, lag diese bei der Homöopathie-Gruppe mit durchschnittlich 435 Tagen deutlich über beiden. Heißt Globuli und Tinkturen erwiesen sich sowohl gegenüber der konventionellen Behandlung als auch dem Placebo als überlegen.*

*Nähere Informationen zu Homöopathie als ergänzende Behandlung bei metastasiertem Bronchialkarzinom haben wir für Sie in diesem Beitrag zusammengefasst.

Weitere Informationen zur Wirksamkeit von Homöopathie

finden Sie unter dem angegebenen Link. Hier sind zudem die Literaturangaben der 71 behandelten Veröffentlichungen aufgeführt, ebenso wie kurze Besprechungen der ausgewählten Studien und ihrer Ergebnisse.

Fazit und Ausblick

Die von WissHom vorgelegten Forschungsdaten zeigen, dass viele homöopathische Behandlungen einen klaren therapeutischen Nutzen haben. Darüber hinaus lässt sich in Placebo-kontrollierten Studien nachweisen, dass es einen signifikanten Unterschied zwischen der Behandlung mit einem Scheinmedikament und mit einem homöopathischen Arzneimittel gibt.

Die vorgelegten Erkenntnisse sind vor allem für die wachsenden aktuellen Herausforderungen in Medizin und Pflege wie Antibiotikaresistenz und Krebstherapie eine wertvolle Ergänzung der gängigen Standardtherapien. Viele Patienten haben positive Erfahrungen mit integrativer Medizin gemacht, in der sich Schulmedizin und alternative Heilmethoden wie die Homöopathie sinnvoll ergänzen.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

Besprochene Übersichtsarbeit:

  • Frass, C. Kösters, S. U. Zürni, P. Weiermayer (2021): Homöopathie. Was sagt die Wissenschaft? Eine aktuelle Übersicht über den Stand der Forschung anhand ausgewählter wissenschaftlicher Arbeiten. PDF.

Weitere Informationen zum Forschungsbericht: Link

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