Aktuelles aus der Homöopathie

Hochwertige Studie über Homöopathie als Zusatztherapie bei Krebs

19.04.2022

Homöopathischen Behandlungen wird oft nachgesagt, dass sie nicht besser wirken als ein Placebo. Entgegen dieser verbreiteten Ansicht von Homöopathie-Gegnern zeigt eine klinische Studie, dass homöopathische Mittel bei Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium Überleben und Lebensqualität verbessern können. Dabei hat sich die komplementäre Behandlung sowohl dem Scheinmedikament als auch einer reinen Chemotherapie als überlegen erwiesen. Nicht nur das: Diese Untersuchung erfüllt zugleich alle qualitativen Anforderungen, um als hochwertig zu gelten.

Homöopathie als Zusatztherapie bei Lungenkrebs

Worum geht es in dieser Studie?

Besagte klinische Studie wurde unter der Leitung von Prof. Michael Frass vom Allgemeinen Krankenhaus (AKH) Wien konzipiert und durchgeführt. Als Probanden dienten Patienten mit fortgeschrittenem Bronchialkarzinom, die wie üblich nur eine Chemotherapie erhielten oder zusätzlich entweder ein homöopathisches Mittel oder ein Scheinmedikament. Die Ergebnisse erschienen 2020 in der renommierten Fachzeitschrift The Oncologist und sorgen bis heute für Furore.

Wie häufig ist Lungenkrebs?

Das Bronchialkarzinom gilt weltweit als die zweithäufigste Krebsart; in den USA ist es für 29 % aller Krebstoten bei Männern und für 26 % bei Frauen verantwortlich. Die hohen Zahlen lassen sich vor allem darauf zurückführen, dass Lungenkrebs in der Regel erst spät gesundheitliche Probleme verursacht. Gehen die Patienten zum Arzt und stellt dieser die Diagnose haben sich meistens bereits Metastasen gebildet. Diese Tochtergeschwülste streuen zunächst in die benachbarten Lymphknoten, dann in Leber, Gehirn, Knochen und andere Körperteile. In den Stadien III und IV sind die Möglichkeiten einer operativen Behandlung gegenüber der Früherkennung erheblich eingeschränkt.

Wie wird metastasierter Lungenkrebs normalerweise behandelt?

Bei fortgeschrittenen Stadien und inoperablem Lungenkrebs ist die Chemotherapie das Mittel der Wahl. Schulmediziner verwenden dafür Cisplatin, das die Zellteilung vor allem der schnellwachsenden Krebszellen verhindert. Hinzu kommen weitere Zytostatika wie Pemetrexed und/oder Gemcitabin, die man in dreiwöchigen Zyklen und mit insgesamt bis zu sechs Zyklen intravenös verabreicht.

Welche Probleme treten bei der Chemotherapie von Bronchialkarzinom auf?

Oft wird die Chemotherapie nur schlecht vertragen; bei etwa 90 Prozent der Patienten treten zwei oder mehr Nebenwirkungen auf. Dazu gehören

  • chronische Müdigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Atemnot
  • Appetitlosigkeit
  • Schlafprobleme
  • Schmerzen

Diese unerwünschten Nebenwirkungen wirken sich erheblich auf die Lebensqualität aus und führen zu deutlichen Einschränkungen im emotionalen, sozialen, psychischen wie physischen Bereich. Daher ist eine Verbesserung der Lebensqualität eines der Hauptziele bei der Behandlung von Lungenkrebs mit Chemotherapie.

Mehr Lebensqualität ist unbedingt wünschenswert, denn beim zur Zeit der Diagnosestellung meist metastasierten Bronchialkarzinom ist das Überleben deutlich eingeschränkt: Laut Krebsregister beim Robert-Koch-Institut (RKI) liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei Frauen bei 22 %, bei Männern bei 15 %.

Kann Homöopathie bei Lungenkrebs Überlebenszeit und Lebensqualität fördern?

Verbesserte Lebensqualität und längere Überlebenszeit sind die Knackpunkte bei der Behandlung des fortgeschrittenen Bronchialkarzinoms. Die Initiatoren der hier beschriebenen Studie wurden stutzig, als sich eine zusätzliche (komplementäre) Behandlung mit homöopathischen Mitteln positive Effekte zu zeigen schien. Das war Anlass genug dem nachzugehen und die Beobachtung mit einer klinischen Studie zu untermauern.

Der Unterschied zwischen homöopathischer und schulmedizinischer Behandlung

Eine homöopathische Heilbehandlung erfolgt grundsätzlich anders als eine schulmedizinische: Hier steht nicht das Krankheitsbild im Vordergrund, sondern das gesamte Erscheinungsbild des zu behandelnden Patienten. Daher können bei einer bestimmten Erkrankung völlig unterschiedliche Globuli und Tinkturen zum Einsatz kommen. Diese maßgeschneiderte Therapie ist erst nach einer eingehenden Anamnese möglich.

Randomisierte und Placebo-kontrollierte klinische Studien sind unter diesen Bedingungen wesentlich schwieriger durchzuführen als mit einer einfachen Kombination aus Medikament und Scheinmedikament – daher gibt es nur sehr wenige klinische Untersuchungen mit homöopathischen Mitteln, die man als hochwertig bezeichnen kann. Ein Ausweg aus diesem Dilemma: Man gibt ein Homöopathikum zusätzlich zur üblichen Standardtherapie und beobachtet, ob es den Behandlungserfolg verbessert oder nicht.

Wer wurde untersucht?

Diesen Ansatz wählten auch Prof. Frass und seine Mitarbeiter. Sie rekrutierten für ihre klinische Studie insgesamt 150 Patienten mit metastasiertem nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC) im Stadium IV – 81 Männer und 69 Frauen. Solche NSCLC machen etwa 85 Prozent aller Fälle von Lungenkrebs aus.

Was war das Ziel der Studie?

Diese Patienten haben eine schlechte Prognose mit eingeschränkter Lebensqualität und Überlebenszeit. Das Ziel der Untersuchung war daher herauszufinden, ob sich eine ergänzende homöopathische Behandlung positiv auf diese beiden Punkte auswirkt.

Wie wurde untersucht?

Die Studie wurde „dreiarmig“ konzipiert: Dazu wählte man nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen aus, von denen eine weiter unterteilt wurde.

  • Kontrollgruppe: 52 Patienten erhielten lediglich die Standardbehandlung mit Chemotherapie
  • Behandlungsgruppe: 98 Patienten bekamen zusätzliche Medikamente:
    • Verum: 51 Patienten ein personalisiert ausgewähltes homöopathisches Arzneimittel;
    • Placebo: 47 Patienten ein davon nicht unterscheidbares Scheinmedikament.

Als homöopathische Mittel und Placebo kamen Globuli oder Tropfen zum Einsatz, die oral eingenommen wurden.

Wie wurde der Behandlungserfolg dokumentiert?

Die Patienten wurden medizinisch beobachtet und mussten zudem mehrere Fragebogen zu ihrer aktuellen Lebensqualität ausfüllen: zu Beginn der Studie, nach neun und nach 18 Wochen. Danach fand über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren eine Nachbeobachtung statt, auch bei der Kontrollgruppe, die sich lediglich einer Chemotherapie unterzogen hatte.

Wieso ist diese Studie über Homöopathie bei Lungenkrebs hochwertig?

Diese Untersuchung erfüllt alle Kriterien, die als übliche Maßstäbe für hochwertige klinische Studien allgemein anerkannt sind:

  • prospektiv – die Patienten wurden vor der Studie ausgewählt und beobachtet, nicht erst nachträglich (retrospektiv)
  • randomisiert – die Einteilung in die verschiedenen Behandlungsgruppen erfolgte nach dem Zufallsprinzip und nicht willkürlich
  • doppelblind – allein die Studienleitung wusste, welcher Patient was bekommt; die Probanden selbst und ihre Ärzte hingegen nicht
  • Placebo-kontrolliert – ein Scheinmedikament stellt sicher, dass ein Behandlungserfolg nicht auf Einbildung und psychische Beeinflussungen zurückzuführen ist
  • multizentrisch – die Studie fand nicht nur in einem Krankenhaus statt, sondern in mehreren, um unterschiedliche Rahmenbedingungen zu schaffen.
  • Phase III-Studie – das bedeutet, dass eine Behandlung an einem größeren Patientenkolletiv getestet wird und nicht an Einzelpersonen oder Tieren.

Solche nach definierten Kriterien geplanten, durchgeführten und ausgewerteten Forschungen am Menschen sind allgemein anerkannt. Randomisierte kontrollierte Studien (Randomized Controlled Trials, RCT) gelten als Goldstandard der medizinischen Forschung, mit dem sich Wirksamkeit und Sicherheit einer Therapie wissenschaftlich belastbar nachweisen lassen.

Das Ergebnis: Homöopathische Behandlung bessert Überleben und Lebensqualität

Wie die Forscher herausfanden berichteten die Patienten bei zusätzlicher homöopathischer Behandlung von einer erhöhten Lebensqualität. Auch die mittlere Überlebensrate erwies sich mit der zusätzlichen homöopathischen Anwendung als höher:

  • Kontrolle (Chemo) 228 Tage
  • Placebo 257 Tage
  • Homöopathie 435 Tage

Statistisch ließ sich ein deutlicher Unterschied sowohl zwischen den drei Gruppen als auch zwischen Placebo und Verum nachweisen: In beiden Fällen lag der sogenannte n-Wert unter 0,001, was als hochsignifikant gilt. Dagegen gab es keine Signifikanz zwischen Placebo und Chemotherapie (n = 0,145). Unzweifelhaft hängt beides miteinander zusammen: Die höhere Lebensqualität dürfte eine der Ursachen der verlängerten Überlebenszeit sein.

Fazit und Ausblick

Zusammengefasst hat die beschrieben Studie zu folgenden Erkenntnissen geführt:

  • Homöopathie ist zur ergänzenden Behandlung von Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium geeignet.
  • Die zusätzliche Therapie führt zu einer Verbesserung der Lebensqualität.
  • Ebenso wurde eine signifikant höhere Überlebensrate
  • Homöopathie und Chemotherapie sind miteinander kompatibel – Nebenwirkungen durch Interaktionen ließen sich nicht feststellen.
  • Homöopathie war wirksamer als Placebo, während sich kein Unterschied zwischen Placebo und Kontrollgruppe (Chemo) feststellen ließ.
  • Der Unterschied zwischen Placebo und Verum kann nicht auf die Anamnese zurückgeführt werden, da diese in beiden Gruppen auf die gleiche Weise vorgenommen wurde.
  • Die Studie entspricht höchsten wissenschaftlichen Anforderungen.

Weitere Pluspunkte für die zusätzliche homöopathische Behandlung:

  • Dass sich die homöopathischen Arzneimittel mit der Chemotherapie kombinieren ließ lässt für andere Formen der Krebsbehandlung hoffen
  • Homöopathie wird gut vertragen und führt selten oder nie zu Nebenwirkungen.
  • Homöopathische Arzneimittel sind im Vergleich zu patentierten Medikamenten unschlagbar billig.
  • Interaktionen mit sonstigen Medikamenten wurden bislang nicht beobachtet.

Dessen ungeachtet ist noch viel Forschungsarbeit nötig, um weitere sinnvolle Ergänzungen von üblichen schulmedizinischen Behandlungen mit homöopathischen Mitteln zu finden. Wesentlich mehr qualitativ hochwertige randomisierte und kontrollierte Studien wie diese wären dabei unbedingt wünschenswert.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

Besprochene Veröffentlichung:

Registrierung bei ClinicalTrials.gov:

Ähnliche Studien und Veröffentlichungen:

Weiterführende Literatur:

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