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WissHom: Aktueller Stand der Forschung zur Homöopathie

17.07.2019

WissHom – Forschungsreader über klinische Studien zur Homöopathie

Aktueller Stand der Forschung zur Homöopathie

Klinische Studien gelten als der Goldstandard beim Nachweis des therapeutischen Nutzens von Medikamenten. Dem müssen sich auch homöopathische Behandlungen stellen, wollen sie ihre Wirksamkeit belegen. Daher hat die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) 2016 einen Bericht über den aktuellen Stand der Forschung zu diesem Thema vorgelegt.

Forschungsreader: Grundlagenforschung und klinische Studien

Ihren Bericht bezeichnet WissHom als Forschungsreader. Für seine Erstellung wurden insgesamt 300 klinische Studien und 1.800 Experimente aus der Grundlagenforschung ausgewertet.

Neben den Ergebnissen von Grundlagen- und Versorgungsforschung sind insbesondere Meta-Analysen von Interesse. Hierzu werden die in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichten Primärdaten aus randomisierten klinischen Studien statistisch untersucht und miteinander verglichen.

Gleiche Maßstäbe für Homöopathie und Schulmedizin

Homöopathische Behandlungen finden nur vergleichsweise selten Eingang in klinische Studien. Das gilt insbesondere für solche, in denen der Test eines Mittels an einer statistisch aussagekräftigen Zahl von Patienten vorgenommen wird.

Trotzdem fanden die Autoren bei ihrer Recherche etliche Untersuchungen, die den wissenschaftlichen Qualitätsstandards entsprachen: Sie wurden nach allen gültigen Kriterien konzipiert und ausgeführt, ihre Ergebnisse von mehreren unabhängigen Gutachtern bewertet und in Fachzeitschriften veröffentlicht. Das sind die Maßstäbe, die in Medizin und Wissenschaft üblich sind und ebenso beim Nachweis der Wirkung schulmedizinischer Behandlungen gelten.

Homöopathie wirkt besser als Placebo!

Zusammenfassend kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die vorliegenden Forschungsdaten einen therapeutischen Nutzen der Homöopathie hinreichend belegen. Zudem zeigen sie, dass potenzierte Arzneimittel eine spezifische Wirkung haben. Das bedeutet, der Effekt der homöopathischen Behandlung liegt deutlich über dem eines Placebos.

Warum sind die Ergebnisse von WissHom so wichtig?

Besser als Placebo ist eine denkwürdige Aussage! Der Homöopathie sagt man oft nach, sie sei eine Scheintherapie und Globuli kein Iota besser als pure Zuckerkügelchen. Daher ist es für den Nachweis ihrer Wirksamkeit wichtig, über den reinen Placeboeffekt hinausgehende Resultate festzuhalten.

Das ist der Grund, warum der Forschungsreader so großes Interesse an randomisierten klinischen Studien zeigt. Randomisiert bedeutet, dass allein dem Studienleiter bekannt ist, welche Probanden das Medikament erhalten und welche nur ein Scheinmedikament. Nur so kann man sicher ausschließen, dass Patienten und Ärzte sich den Erfolg oder Nichterfolg einer Therapie nur einbilden.

Ist die Wirksamkeit der Homöopathie damit hinreichend belegt?

Das Leben ist nun mal keine reine Mathematik: Meta-Analysen liefern immer nur ein statistisches Ergebnis und damit Hinweise – weder der Erfolg einer schulmedizinischen noch einer homöopathischen Behandlung lässt sich in diesem Sinne beweisen. Letzten Endes geht es darum, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Behandlungsmethode als effektiv oder ineffektiv angesehen werden kann. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Mensch nicht wie eine Maschine funktioniert und Patienten oft unterschiedlich auf ein Medikament reagieren – egal ob es um Schulmedizin oder Homöopathie geht.

Schwierig zu beurteilen: Globuli wirken anders

Zudem muss man bedenken, dass das Konzept der Homöopathie auf eine völlig andere Art und Weise funktioniert als das der Schulmedizin: Das optimale Einzelmittel ermittelt der Therapeut anhand des Leitbildes eines Patienten, sodass ein und dieselbe Krankheit bei fünf Personen mitunter mit ebenso vielen unterschiedlichen Globuli, Tinkturen und Potenzierungen behandelt wird.

In einer klinischen Studie lässt sich ein solches Konzept naturgemäß schwierig umsetzen. Die Schulmedizin hat es da einfacher: Bei Kopfschmerzen gibt man Aspirin und damit basta - Mittel versus Placebo ist in solchen Fällen leicht zu realisieren.

Es gibt immer was zu meckern

Nur getretene Hunde bellen: Der Aufschrei in der „Fachwelt“ war beim Erscheinen des Forschungsreaders bemerkenswert. Sicherlich kann man über Einschlusskriterien und Studiendesigns, Patientenzahlen und statistsche Verfahren streiten, aber mit den gleichen Argumenten lassen sich viele Metaanalysen in der Schulmedizin madig machen.

Etliche der teils hochemotionalen Reaktionen sind weit unter der Gürtellinie angesiedelt und haben mit wissenschaftlicher Debattierkultur wenig gemein. Man fragt sich, warum überzeugte Gegner der Homöopathie derart empfindlich reagieren, wenn Potenzen und Leitbilder so eindeutig Humbug sein sollen.

Fazit zu WissHoms Forschungsreader

Durch die strengen Einschlusskriterien fanden nur wenige klinische Studien zur Homöopathie Eingang in die Bilanz des Forschungsreaders. Bisher konnten nicht genug Publikationen analysiert werden, um von einem klaren Ergebnis zu sprechen. Wenigstens damit haben die Kritiker recht. Auf jeden Fall muss man sich Gedanken darüber machen, wie sich das Wirkkonzept der Homöopathie sinnvoll in großangelegte randomisierte klinische Studien einbringen lässt.

Interessante Ansätze gibt es zuhauf – man denke beispielsweise an die Entscheidung des US-amerikanischen National Cancer Institute (NCI), die Forschung über die homöopathische Behandlung von Hirntumoren nach dem Banerji-Protokoll zu unterstützen. Daraus wird sich in den kommenden Jahren sicherlich neues Material für einen Forschungsreader 2.0 ergeben.

Fazit: Es ist eine Menge Arbeit nötig, um die bisherigen Hinweise weiter zu untermauern und zu einem statistisch abgesicherten Ergebnis zu gelangen. Zumindest ist mit dem WissHom-Bericht ein Anfang in der richtigen Richtung gemacht - egal was seine Kritiker über ihn sagen.

 

Quellen, Links und weiterführende Literatur

Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie (WissHom):

Autor
Dr. rer. medic. Harald Stephan - Biologe und promovierter Medizinwissenschaftler

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