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Taigawurzel: Beliebtes Stärkungsmittel in der TCM

16.11.2020

Eleutherococcus, Taigawurzel, Siberischer Ginseng: Präparate mit dem fernöstlichen Pflanzenextrakt sind seit gut zwanzig Jahren in Europa erhältlich und erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Das Naturheilmittel aus der Traditionellen Chinesischen Medizin stärkt Ausdauer und Immunsystem und hilft bei Müdigkeit und Konzentrationsstörungen.

Pflanze Eleutherococcus

Was ist Eleutherococcus?

Eleutherococcus senticosus lautet der botanische Name des Siberischen Ginsengs, auch Taigawurzel oder Stachelpanax genannt. Mit dem ebenfalls wegen seiner Heilkraft berühmten „echten“ Ginseng Panax ginseng ist das Efeugewächs nahe verwandt. Der sommergrüne, mit weichen Stacheln besetzte Strauch wird bis zu sechs Metern hoch und wächst als Unterholz in Misch- und Nadelwäldern Sibiriens, Japans, Nordkoreas und Teilen Chinas. Blüten und Früchte erinnern an die des bei uns wachsenden Efeus. Seine Blätter nutzen die Einheimischen zur Zubereitung eines Tees; heilkundlich interessant sind aber vor allem die bis zu einem halben Zentimeter dicken, dunkelbraunen Wurzeln und Rhizome.

Zeichnung Eleutherococcus

Verwendung des Siberischen Ginsengs

Die chinesische Volksheilkunde verwendet die Taigawurzel seit Jahrhunderten als Stärkungsmittel bei Müdigkeit und Schwächegefühl sowie zur Verbesserung von Konzentration und Leistungsfähigkeit. In der Naturheilkunde gilt die säuerlich-bitter schmeckende getrocknete Wurzel Radix Eleutherococci als adaptogenes Mittel. Solche Arzneimittel sollen dabei helfen, sich körperlichen und seelischen Stresssituationen besser anzupassen.

Entsprechende Hinweise fand man bereits in den 1950er Jahren. Damals zeigten russische Forscher, dass die Inhaltsstoffe von Eleutherococcus bei Mensch und Tier Ausdauer, Konzentration und Immunabwehr stärken – Untersuchungen, die man in neuerer Zeit bestätigen konnte. Seitdem findet sich Siberischer Ginseng zunehmend auch in Nahrungsergänzungsmittel und Pflegeprodukten.

Inhaltsstoffe von Eleutherococcus

Für die biologische Wirkung der Taigawurzel verantwortlich ist ein Gemisch von Phenylpropanderivaten und Zuckerpolymeren.

  • Eleutheroside (
    • Eleutherosid A (Daucosterol)
    • Eleutherosid B (Syringin)
    • Eleutherosid C (Ethylgalactosid)
    • Eleutherosid D
  • Lignane
  • Phytosterole
  • Triterpensaponoide
  • Chlorogensäure
  • Kaffeesäureester
  • Cumarine
  • Zucker, Glykoside und Polysaccharide
  • b-Carotin
  • Vanillin
  • Vitamin E

Wofür ist Taigawurzel gut?

Mit klinischen Studien untersucht wurde die Anwendung von Eleutherococcus als tonisierendes Stärkungsmittel zur Prophylaxe und Wiederherstellung nach psychischem oder physischem Stress. Er hilft bei Ermüdung, Schwächegefühl und Erschöpfung bei Senioren und Patienten mit chronischer Müdigkeit. Darüber hinaus steigert er beim Sport die Leistungsfähigkeit und hilft bei der Rekonvaleszenz. Zudem gibt es Hinweise auf eine antimikrobielle und antivirale Wirkung.

Kan Jang ist eine standardisierte Mischung von Extrakten aus Eleutherococcus senticosus und Kalmegh (Andrographis paniculata), einer alten Heilpflanze aus Ayurveda und Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM). In zwei Studien untersuchte man die Wirkung dieses Extraktes bei Patienten mit der „echten“ Grippe oder Influenza. Beide zeigten, dass sich die Dauer der Beschwerden gegenüber Placebo verkürzte und es nur halb so häufig zu postgrippalen Komplikationen kam.

Als interessant könnten sich präklinische Studien erweisen, bei der Gold-Nanopartikel mit Siberischem Ginseng das Wachstum von Melanomzellen und anderen Krebszellen unter Zellkulturbedingungen hemmte.

In der traditionellen Heilkunde, vor allem in der TCM, verwendet man die Taigawurzel darüber hinaus bei Appetitlosigkeit, Harnverhalt, Schlafstörungen und rheumatoider Arthritis. Durch Studien nicht belegt sind weitere Anwendungen aus der Volksheilkunde. Hier gilt sie als Heilmittel bei akuter und chronischer Gastritis, als harntreibendes und blutdruckregulierendes Mittel und dient der Behandlung von Impotenz.

Ebenso gibt es keine klinischen Daten über die Wirksamkeit von Eleutherococcus bei einer Erkrankung mit COVID-19. Trotzdem wird auf einigen Internetseiten die Taigawurzel zur prophylaktischen Stärkung der Abwehrkräfte und Verbesserung des Immunsystems zum Schutz vor SARS-CoV-2 empfohlen. Als Stärkungsmittel ist die Wurzel sicherlich interessant; ob sich die Befunde mit Kan Jang oder Siberischem Ginseng alleine bei Corona in ähnlicher Weise wie bei Influenza angesprochen bestätigen lassen bleibt abzuwarten.

Nebenwirkungen von Eleutherococcus

Bei klinischen Studien wurden bei einigen Patienten Nebenwirkungen bei der Einnahme eines alkoholischen Extraktes der Taigawurzel beobachtet. Ähnlich wie bei übermäßigem Kaffeegenuss gehören dazu Schlaflosigkeit, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, erhöhter Blutdruck und Kopfschmerzen. Eine seltene Erhöhung von Blutzucker oder Blutungsneigung werden diskutiert.

Aus diesen Daten lässt sich ableiten, dass eine Einnahme von Eleutherococcus bei Bluthochdruck (Hypertonie), Herzerkrankungen oder hohem Fieber kontraindiziert ist. Fälle von Überdosierung sind nicht bekannt. Aus Tierversuchen ergaben sich keine Hinweise auf toxische, teratogene oder mutagene Wirkung.

Für die Anwendung bei Kindern gibt es keine pharmakologischen Daten. Daher sollte man Personen unter zwölf Jahren Eleutherococcus aus Gründen der Sicherheit nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt verabreichen.

Wie soll man Eleutherococcus einnehmen?

Von der Taigawurzel bekommt man im Handel Pulver oder alkoholische Extrakte in Form von Kapseln, Tabletten, Tee, Tinkturen oder Sirup. Alle Darreichungsformen sollte man gut verschlossen und lichtgeschützt aufbewahren, da einige Inhaltsstoffe lichtempfindlich sind. Üblich ist eine Tagesdosis von 2-3 Gramm eines pulverförmigen Extraktes. In jedem Fall sind die Dosierungsanleitungen der Packungsbeilage zu beachten, sofern vom Arzt oder Heilpraktiker nicht anders verordnet.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

Beitragsbild: Agnieszka Kwiecie?, Nova, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Autor
Dr. rer. medic. Harald Stephan - Biologe und promovierter Medizinwissenschaftler

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