Aktuelles aus der Homöopathie

Forschungspreis für Masterarbeit über Homöopathie als evidenzbasierte Behandlungsmethode

18.12.2019

Evidenz oder Eminenz – das ist hier die Frage, die sich die Allgemeinmedizinerin Melanie Wölk in ihrer Masterarbeit stellte. Mit Eminenz bezeichnet man überliefertes Erfahrungswissen, wohingegen Evidenz als wissenschaftlich belegbarer Nachweis einer medizinischen Wirkung zu verstehen ist. Anhand der Studienlage kam sie zu dem Ergebnis, dass die Homöopathie als evidenzbasierte Behandlungsmethode anzusehen ist.

Forschungspreis für Masterarbeit über Homöopathie

Was ist der Dr. Peithner-Preis?

Der Dr. Peithner-Preis wird von der Schwabe Austria GmbH, dem Mutterunternehmen der Dr. Peithner GmbH & Co. KG, zur Förderung von Forschungsarbeiten rund um die Homöopathie vergeben. Das pharmazeutische Unternehmen ist der größte Hersteller homöopathischer und naturheilkundlicher Arzneimittel in Österreich

Die für die Vergabe zuständige Fachjury besteht aus der Geschäftsleitung des Unternehmens und dem Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM). Auf der Jahrestagung der ÖGHM findet die Übergabe des Preisgeldes von 3.000 Euro statt.

Was bedeutet evidenzbasierte Medizin?

Die evidenzbasierte Medizin (EbM) ist ein relativ neuer Zweig der Medizin, der sich mit einer – eigentlich - ganz elementaren Frage beschäftigt: Funktioniert eine Behandlung oder funktioniert sie nicht?

In den Gesundheitswissenschaften liegen Theorie und Praxis bisweilen weit auseinander: Was im Laborexperiment hervorragend funktioniert, funktioniert bei einem Patienten deswegen noch lange nicht. Umgekehrt profitieren kranke Menschen eindeutig von Behandlungen, ohne dass deren wissenschaftlichen Hintergründe vollständig geklärt sind. Mit Hokuspokus hat das nichts zu tun – im Deutschen Sozialgesetzbuch laufen solche anerkannten Formen der nachweisorientierten Medizin unter „evidenzbasierte Leitlinien“.

Sie basieren auf dem aktuellen Stand der klinischen Medizin und verlassen sich dabei auf wissenschaftliche Veröffentlichungen und klinische Studien. Wichtig dafür ist die qualitative Bewertung externer Evidenz nach Maßgabe wissenschaftlicher Kriterien. Sie ermöglicht eine Einordnung solcher Untersuchungen in standardisierte Evidenzklassen.

Randomisierte, Placebo-kontrollierte, doppelblinde klinische Studien mit hohen Teilnehmerzahlen gelten als der Goldstandard mit der höchsten Evidenzklasse. Je höher diese ausfällt, desto besser lassen sich entsprechende Therapieempfehlungen wissenschaftlich begründen. Zeigen qualitativ hochwertige Studien einen eindeutigen Behandlungserfolg, gilt das als Nachweis für die Wirksamkeit der angewandten Methode.

Die 2018 ausgezeichnete Masterarbeit

Die Allgemeinmedizinerin Melanie Wölk ging in ihrer Masterarbeit der Frage nach, ob aktuelle Studien über die Homöopathie den Evidenzstufen Ia und Ib zuzuordnen sind. Dafür durchforstete sie die medizinische Literatur in der National Library of Medicine (NLM) PubMed sowie die klinischen Studien in der Cochrane Database of Systematic Reviews (CDSR) und dem Cochrane Central Register of Controlled Trials (CENTRAL).

In ihre Untersuchungen flossen mit ein:

  • Bericht zur Bewertung von Gesundheitstechnologie (Health Technology Assessment, HTA) des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit (BAG) von 2006;
  • First Report“ der australischen Gesundheitsbehörde (NHMRC) zur Wirksamkeit der Homöopathie von 2012;
  • Metaanalyse von Shang et al. (2005) über den angeblichen Placebo-Effekt der Homöopathie;
  • Übersichtarbeit von Ernst (2002) zu systematischen Reviews über Homöopathie;
  • klinische Studie von Frass et al. (2011) zur homöopathischen Behandlung von Blutvergiftungen;
  • weitere zwischen 2010 und 2016 veröffentlichte Reviews und Metaanalysen der Evidenzklassen Ia und Ib.

Das Ergebnis der Auswertung dieser Studien durch Dr. Wölk ist eindeutig: Homöopathie wirkt und erfüllt alle notwendigen Kriterien der evidenzbasierten Medizin!

Für alle Kritiker zur Erinnerung: Hundertprozentig beweisen lässt sich die Wirksamkeit einer Behandlungsmethode ohnehin nicht – auch nicht in der Schulmedizin, obwohl man das oft gerne so darstellt…

Fazit

Überlassen wir dieses der Preisträgerin, denn ihrer Aussage ist kaum noch etwas hinzuzufügen:

„Die Diskussion über die Existenzberechtigung der Homöopathie scheint nicht auf einer vorurteilsfreien und fairen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Thematik zu beruhen, sondern ein irrationaler und höchst emotionaler Streit um Weltbilder zu sein.”

Trotzdem – oder gerade deswegen – gibt es noch viel zu tun: Entsprechend wichtig ist die weitere Aufklärung der Wirkmechanismen, mit denen homöopathische Arzneimittel Patienten zu helfen vermögen.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

Prämierte Masterarbeit:

  • Melanie Wölk (2016): Eminenz oder Evidenz: Die Homöopathie auf dem Prüfstand der Evidence based Medicine. Masterarbeit zur Erlangung des akademischen Abschlusses Master of Science im Universitätslehrgang Natural Medicine der Donau-Universität Krems, Zentrum für Gesundheitswissenschaften und Biomedizin, Department für Gesundheitswissenschaften, Medizin und Forschung.

In der Masterarbeit verwendete Studien:

  • Shang A, Huwiler-Müntener K, Nartey L, Jüni P, Dörig S, Sterne JA, Pewsner D, Egger M: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. Lancet. 2005 Aug 27-Sep 2;366(9487):726-32.
  • Ernst E: A Systematic review of systematic reviews of homeopathy. Br J Clin Pharmacol. 2002 Dec;54(6):577-82. Review.
  • Frass M, Linkesch M, Banyai S, Resch G, Dielacher C, Löbl T, Endler C, Haidvogl M, Muchitsch I, Schuster E: Adjunctive homeopathic treatment in patients with severe sepsis: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial in an intensive care unit. 2005. 2011 Jan-Apr;100(1-2):95-100. doi: 10.1016/j.homp.2011.02.013.

Weiterführende Informationen:

Autor
Dr. rer. medic. Harald Stephan - Biologe und promovierter Medizinwissenschaftler

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