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Natürliche Heilkraft aus Cannabis: Wie kann Cannabidiol helfen, wann ist CBD gefährlich?

29.10.2020

Cannabidiol (CBD) ist ein nicht-psychoaktiver Inhaltsstoff der Hanfpflanze, der in Form von CBD-Öl und anderen Hanfpräparaten als Wundermittel gegen Schmerzen, Krämpfe, Appetitlosigkeit und sonstige Beschwerden gilt – ohne die halluzinogenen Nebenwirkungen von THC oder medizinischem Marihuana. Die Zahl der weltweit zugelassenen Arzneimittel ist überschaubar, wohingegen Nahrungsergänzungsmittel den Markt beherrschen. Den aktuellen CBD-Hype sollte man kritisch betrachten, da viele Heilungsversprechen jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren und die Anwendung mit oft unterschätzten gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Allerdings könnte CBD sogar schwere Verläufe bei Corona verhindern, wie eine brandneue Studie zeigt.

Wir möchten Sie über den medizinisch erwiesenen Nutzen von Cannabidiol aufklären, aber auch darüber, wann seine Einnahme gefährlich ist.

CBD-Öl

Cannabidiol/CBD – Das Wichtigste auf einen Blick!

  • CBD ist die Abkürzung von Cannabidiol, einem Inhaltsstoff der Hanfpfanze (Cannabis sativa und Cannabis indica), der im Gegensatz zu Tetrahydrocannabinol (THC) keine Rauschwirkung erzeugt.
  • Cannabinoide wirken über die Cannabinoid-Rezeptoren, mit deren Hilfe körpereigene Endocannabinoide zahlreiche Funktionen des Stoffwechsels regulieren.
  • Nebenwirkungen von CBD treten meist erst bei hohen Dosierungen und infolge Verunreinigungen mit THC auf. Bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten ist wegen des gemeinsamen Abbaus in der Leber dringend Vorsicht geboten.
  • Es gibt eine Reihe ermutigender Behandlungserfolge, vor allem bei chronischen Erkrankungen, die mit Schmerzen, Krämpfen und Entzündungen einhergehen. Multiple Sklerose und Epilepsien sind die Hauptanwendungsgebiete, für die bereits Medikamente zugelassen sind.
  • Ungeachtet des aktuellen Hypes um Hanfprodukte ist CBD mit Sicherheit kein Allheilmittel. Die nachgesagten pharmakologischen Wirkungen von CBD bedürfen dringend weiterer wissenschaftlicher Überprüfung.

Inhaltsverzeichnis

1. Was sind Cannabinoide und wie wirken sie?

2. Wo kann Cannabidiol helfen?

3. Kauf, Aufbewahrung und Einnahme von CBD

4. Wann kann CBD gefährlich werden?

5. Quellen, Links und weiterführende Literatur

Was sind Cannabinoide und wie wirken sie?

Hanf und Betäubungsmittel

Spätestens mit den Hippies der 1960er Jahre ist Hanf in Form von Haschisch und Marihuana in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Kiffen von „Gras“ und die negative Publicity als Einstiegsdroge haben dafür gesorgt, dass die ganze Pflanze in Verruf geriet. Die Ächtung als Rauschmittel begann mit den Aktivitäten des Harry J. Anslinger, der als Vorsitzender des US-amerikanischen Federal Bureau of Narcotics (FBN) 1937 Marihuana und 1942 auch medizinisch genutzte Cannabis-Produkte verbieten ließ. 1964 trat auf sein Betreiben hin das Einheitsabkommen über Betäubungsmittel (Single Convention on Narcotic Drugs) der Vereinten Nationen als Basis der weltweiten Drogenkontrolle in Kraft.

Das UN-Abkommen sorgte für die Verteufelung aller Hanfprodukte, einschließlich des konventionellen und medizinischen Gebrauches. Bis 1996 durfte man Hanf in vielen Ländern nicht mehr anbauen, und bis heute wird seine Nutzung kritisch beäugt. Was zum Schutze der Bevölkerung gerechtfertigt schien, schießt deutlich über das Ziel hinaus – wie so oft ist gut gemeint das Gegenteil von gut gemacht.

Hanf als biologischer Rohstoff

Cannabis sativa und Cannabis indica liefern nicht nur Drogen: Mit dem schnell nachwachsenden Rohstoff würden sich viele Probleme nachhaltig und ökologisch sinnvoll lösen lassen: Hanffasern kann man zu Papier, Textilien und Werkstoffen verarbeiten, Hanfsamen und Hanföl sind essbar, und Letzteres dient als Grundlage von Farben, Waschmitteln, Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln. Selbst die Abfälle lassen sich zur Energiegewinnung verbrennen oder als Futtermittel nutzen. Die medizinische Anwendung von CBD ist also nur einer der zahlreichen Aspekte, die Renaissance und Rehabilitation der alten Nutzpflanze wünschenswert erscheinen lassen.


Zusatzinfo: Mehr als THC und CBD: Hanf als uralte Kulturpflanze

Das zu Unrecht in Verruf geratene Hanfgewächs Cannabis ist eine der ältesten Kulturpflanzen. Genetische Untersuchungen lassen vermuten, dass sie ursprünglich aus Kasachstan stammt. Reste von Textilfasern aus wild gesammeltem Hanf fanden sich im Kaukasus in der Dzudzuana-Höhle, die man auf rund 30.000 Jahre datiert.

Vor rund 5.000 Jahren baute die chinesische Gushi-Kultur erstmalig Hanf an. Ein Schamane ging mit 789 Gramm allerbestem „Stoff“ ins Jenseits: Sein Grab enthielt perfekt erhaltene Cannabis-Blüten mit hohem THC-Gehalt. Die erste schriftliche Erwähnung erfolgt im Ben cao jing des Kaisers Shennong, der vor 2.800 Jahren verschiedene Zubereitungen gegen Malaria, rheumatische und viele weitere Krankheiten empfahl.

Über China, Indien und die antiken Hochkulturen trat Hanf seinen Siegeszug rund um die Welt an. Plinius der Ältere, Galen und Dioskurides empfahlen ihn gegen Schmerzen, Appetitlosigkeit und Verdauungsprobleme. In der Landgüterverordnung Karls des Großen findet er ebenso Erwähnung wie in vielen anderen Schriftwerken: Aus mittelalterlichen Kräuterbüchern ist er nicht wegzudenken, und sogar Hildegard von Bingen baute ihn in ihrem Klostergarten an.

Hanffasern nutzte man bis in die Neuzeit für die Herstellung von Textilien, Seilen und Bogensehnen. Die Gutenberg-Bibel wie auch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und Banknoten druckte man auf dem in China erfundenen Hanfpapier, das heute nur noch zum Selberdrehen von Zigaretten dient.

Der Anbau von THC-armem Nutzhanf ist seit 1996 wieder erlaubt. Seitdem erleben vor allem die an Ölen und Eiweiß reichen Hanfsamen eine Renaissance. Man findet sie als Zutat in Müsli, Hanfmilch, gepresst in Form von Hanföl für Lebensmittel und Kosmetik oder gemahlen und entölt als glutenfreier Mehlersatz. Hanfburger, Hanfbier und Hanflimonade wie auch Hanftee sind voll im Trend.

Medizinisches Marihuana und andere Arzneimittel aus Hanf finden ebenfalls immer häufiger Anwendung in der Klinik. Neben dem prominenteren THC mit seiner halluzinogenen Wirkung gehört das vergleichsweise harmlose Cannabinoid CBD, das in der Komplementärmedizin eine wachsende Rolle spielt.


Wie wirken Cannabinoide wie CBD und THC?

Auf der Suche nach dem Wirkmechanismus von Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) stellte man in den 1960er Jahren fest, dass das Rauschmittel ähnlich wirkt wie körpereigene Botenstoffe. Diese bezeichnete man daher als Endocannabinoide und stellte sie körperfremden Exocannabinoiden wie Cannabidiol (CBD) und THC gegenüber.

Beide Formen von Liganden binden an spezielle Strukturen auf der Zelloberfläche: Der Cannabinoid-Rezeptor 1 (CB1) findet sich vor allem bei Nervenzellen, der Cannabinoid-Rezeptor 2 (CB2) bei weißen Blutkörperchen des Immunsystems (Leukozyten) sowie Osteoblasten und Osteoklasten, die für Aufbau und Abbau von Knochensubstanz verantwortlich sind.

Endocannaboide wie Anandamid (AEA) und 2-Arachidonylglycerol (2-Ag) bilden zusammen mit CB1, CB2 und weiteren Rezeptorproteinen ungeklärter Funktion (GPR-, TRP- und PPAR-Proteine) das Endocannabinoid-System (ECS). Bei Nervenzellen verändert das Andocken der Liganden an die CB1-Rezeptoren die Reizübertragung.

Bedeutung des Endocannabinoid-Systems

Dieses Signalsystem reguliert eine Vielzahl physiologischer Vorgänge, darunter

  • Schmerzempfinden
  • Schlaf
  • Lernen und Gedächtnis
  • Immunabwehr
  • Verdauung
  • Temperaturregulation
  • Entzündungsreaktionen
  • Knochendichte

Das bedeutet, dass die Einnahme von Cannabinoiden wie THC und CBD in diese Prozesse eingreifen kann.

Veränderungen des Endocannabinoid-Systems im Alter und bei Neurodegeneration

Inzwischen weiß man, dass sich das Endocannabinoid-System bei Alterungsprozessen und neurodegenerativen Erkrankungen nachhaltig verändert. Allerdings ist nicht geklärt, ob es sich dabei um eine Ursache oder eine Folgeerscheinung handelt. Solche Veränderungen hat man festgestellt bei

  • Multiple Sklerose (MS)
  • Chorea Huntington
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
  • Fibromyalgie
  • rheumatoide Arthitis
  • Osteoporose
  • abnehmenden kognitiven Leistungen und Lernfähigkeit im Alter
  • altersbedingter Faltenbildung der Haut

Was ist der Unterschied zwischen CBD und THC?

Cannabidiol (CBD) und Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) unterscheiden sich in ihrer Rauschwirkung:

THC ist psychoaktiv – es macht high und ruft Halluzinationen hervor, CBD nicht.

Inzwischen kennt man an über 120 weitere natürlich vorkommende Cannabinoide, die man als Phytocannabinoide bezeichnet. Cannabinoid-Mimetika sind synthetisch oder halbsynthetisch aus Phytocannabinoiden hergestellte Substanzen, die ähnlich wirken.

Cannabinoide sind sekundäre Pflanzenstoffe, Terpenphenole, mit denen sich die Hanfpflanze vor Fressfeinden schützt. Ähnlich wie die Brennhaare der Brennnessel sitzen sie in fragilen Härchen auf der Oberfläche von Blüten und Blättern, den Trichomen, die leicht zerbrechen und ihren halluzinogenen Inhalt mit seinem charakteristischen Geruch freisetzen. Eine Hanfmahlzeit sorgt bei größeren Tieren für einen Drogenrausch, nach dem sie das leckere Grün vom Speiseplan streichen. Nur Schnecken und Schadinsekten lassen sich davon nicht beeindrucken.

Cannabis-Rausch: Wie gefährlich sind CBD und THC?

Rauschwirkung bedeutet, dass Marihuana & Co. die psychogenen und psychomotorischen Fähigkeiten beeinträchtigen. Der anfänglichen Euphorie und Entspannung folgen bei Überdosierung Halluzinationen, Herzrasen und Panikattacken. Todesfälle durch Herzversagen und Atemstillstand sind beim Konsum natürlicher Cannabisprodukte praktisch ausgeschlossen. Den LD50-Wert, bei dem die Hälfte der Probanden sterben würden, schätzt man anhand von Tierversuchen auf über 10 Gramm THC.

Bereits geringe Mengen Tetrahydrocannabinol können Müdigkeit hervorrufen und die Reaktionsfähigkeit herabsetzen – problematisch vor allem im Straßenverkehr und beim Bedienen von Maschinen. Alkohol, andere Drogen und bestimmte Medikamente verstärken diesen Effekt. Praktisch alle aktenkundig gewordenen Todesfälle nach Cannabiskonsum stehen im Zusammenhang mit Trunkenheit, Drogendelikten und Verkehrsunfällen.

Dagegen gilt CBD als harmlos. Ähnliche psychotrophe Auswirkungen sind bei der sachgemäßen Einnahme zugelassener Produkte wegen des geringen THC-Gehaltes rein theoretischer Natur - dafür wären absolut utopische Mengen notwendig.

Hasch, Dope, Weed: Wie viel THC und CBD enthalten Marihuana & Co.?

Der Cannabinoid-Gehalt von Hanf hängt wesentlich von der Zuchtsorte ab, aber auch von den Umweltbedingungen wie Temperatur, Licht und Luftfeuchtigkeit. So blüht er als Kurztagspflanze nur, wenn die Dunkelphasen entsprechend lang sind. Zudem ist Hanf zweihäusig, sodass es männliche und weibliche Exemplare gibt. Für die Cannabinoid-Gewinnung sind allein letzere von Interesse. Daher der erhebliche Aufwand, durch den illegale Haschischplantagen regelmäßig auffliegen.

Die folgenden häufig anzutreffenden Begriffe verwendet man üblicherweise bei den berauschenden, THC-haltigen Hanfsorten; parallel dazu ist es mit dem CBD-Gehalt in Zuchthanf ähnlich bestellt:

  • Die getrockneten weiblichen Hanfblüten oder „buds“ erfreuen sich in der Drogenszene besonderer Beliebtheit, denn sie enthalten bis zu 30 Prozent THC.
  • Als Marihuana, dope, weed oder Gras bezeichnet man die Blüten und blütennahen Blätter. In Letzteren finden sich bis zu sechs Prozent THC, deutlich mehr als im Rest der Pflanze.
  • Das in den Trichomen enthaltene goldgelbe Harz nennt man Haschisch, Hasch, piece oder shit.

Wo kann Cannabidiol helfen?

Was ist der Unterschied zwischen Hanföl, CBD-Öl und THC-Öl?

Hanföl, CBD-Öl (CBD Oil) und THC-Öl haben unterschiedliche Cannabinoid-Gehalte:

  • „Normales“ Hanföl gewinnt man aus den Hanfsamen, die nur Spuren von THC enthalten. Es ist grünlich bis bräunlich, reich an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren und mit seinem nussigen, leicht bitteren Geschmack ein ausgezeichnetes Speiseöl. Außerdem enthält es Vitamin E, B1, B2 und Mineralstoffen wie Calcium, Eisen, Magnesium und Phosphor.

Für CBD-Öl und THC-Öl verwendet man stattdessen die an Trichomen reichen Blüten und blütennahen Blätter. Das extrahierte Harz verdünnt mit einem Trägeröl, sodass es sich tropfenweise dosieren lässt. Der Unterschied zwischen den beiden:

  • Beim zur Gewinnung von CBD-Öl zugelassenen Nutzhanf liegt der THC-Anteil unter 0,2 Prozent.
  • Dagegen stellt man medizinisches THC-Öl aus Hanfsorten mit wesentlich höherem Gehalt an halluzinogenen Cannabinoiden her. Daher darf man THC-Öl in Deutschland nur mit Rezept erwerben.

Da es durch Verunreinigungen über die Blätter regelmäßig erhöhte THC-Gehalte auftreten, unterliegen CBD-Produkte ständigen Kontrollen.

Ist CBD-Öl legal?

CBD aus Hanf legal?

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) weist darauf hin, dass reines CBD derzeit nicht dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) unterliegt und CBD-haltige Produkte aus Cannabisextrakten davon ausgenommen sind,

… wenn sie aus dem Anbau in Ländern der Europäischen Union mit zertifiziertem Saatgut (Nutzhanf) stammen oder ihr Gehalt an Δ-9-Tetrahydrocannabinol (THC) 0,2 % nicht übersteigt und der Verkehr mit ihnen (ausgenommen der Anbau) ausschließlich gewerblichen oder wissenschaftlichen Zwecken dient, die einen Missbrauch zu Rauschzwecken ausschließen.

Diese Ausnahmeregelung gilt ausschließlich für Produkte ohne medizinische Zweckbestimmung – selbst mit einem THC-Gehalt unter 0,2 Prozent gelten diese nicht als Nutzhanfprodukte und unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz.

CBD und Hanfprodukte als Novel Food nicht verkehrsfähig?

Die Zulassung von CBD als Arzneimittel und gleichzeitige Verwendung als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel sorgen für eine rechtliche Grauzone, in der sich die Cannabidiol-haltigen Produkte wie CBD-Öl und CBD-Kapseln bewegen. Daher ist es nicht ausgeschlossen, dass viele Cannabisprodukte noch strenger reglementiert oder auf kurz oder lang verboten werden.

Als problematisch gilt vor allem die Novel Food-Verordnung, der zufolge alle Lebensmittel und Lebensmittelzutaten, die vor dem 15. Mai 1997 in der EU noch nicht in nennenswertem Umfang von Menschen verzehrt wurden, als neuartig einzustufen sind und eine Zulassung benötigen. Das gilt auch für Extrakte aus Hanf und daraus gewonnene Cannabinoid-haltige Lebensmittel. Demnach sind alle CBD-haltigen Nahrungsergänzungsmittel wie CBD-Öl und CBD-Kapseln erst dann verkehrsfähig, wenn sie zur Überprüfung angemeldet und amtlich zugelassen wurden. Bisher ist das kaum der Fall.

Oft zu viel THC in Hanflebensmitteln und CBD-Präparaten

Dass eine genaue Überwachung von Hanf-Lebensmitteln durchaus angebracht ist, zeigen Kontrollen immer wieder aufs Neue. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) verzeichnete im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung von 200 herkömmlichen Hanflebensmitteln vor allem bei Hanftee deutliche Überschreitungen der THC-Grenzwerte.

Zu ähnlichen Beanstandungen führte eine Studie beim Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe. Von insgesamt 49 Proben CBD-haltiger Nahrungsergänzungsmittel und Kaugummis wiesen 28 zu hohe THC-Werte auf. Dagegen waren nicht mit CBD speziell angereicherte Lebensmittel wie Hanföle und Müsliriegel unauffällig.

Solche ungeprüften und für die Gesundheit nicht sicheren Produkte vorsätzlich oder fahrlässig auf den Markt zu bringen ist weder ein Versehen noch ein Kavaliersdelikt, sondern ein Straftatbestand. Dieses Verhalten ist mit schuld daran, dass die Kulturpflanze Hanf wie auch hochwertige Hanfprodukte weiter unter Verruf stehen und kranken Menschen eine natürliche und nebenwirkungsarme Therapie verwehrt bleibt.

Pharmakologische Wirkung von CBD

Präklinische und klinische Studien zeigen, dass CBD eine Reihe medizinisch bedeutsamer Effekte zeigt. Es wirkt vor allem

  • analgetisch/schmerzlindernd
  • spasmolytisch/krampflösend
  • antiepileptisch
  • anxiolytisch/angstlösend

Darüber hinaus wirkt Cannabidiol

  • antidepressiv
  • antipsychotisch
  • antioxidativ
  • antibakteriell
  • antiinflammatorisch/antientzündlich
  • chemopräventiv
  • neuroprotektiv

Verwendung von CBD bei Epilepsie und Multipler Sklerose

Für einige Krankheiten sind diese Wirkmechanismen von erheblichem therapeutischem Interesse. Wissenschaftlich gut belegt ist die spasmolytische Wirkung bei

  • Multipler Sklerose und
  • Epilepsie. Unter anderem erzielte man Behandlungserfolge bei
    • Dravet-Syndrom
    • Lennox-Gastaut-Syndron
    • TSC-assoziierte Epilepsie (Tuberous Sclerosis Complex, TSC)
    • Sturge-Weber-Syndrom (SWS)
    • FIRES-Epilepsie (febrile infection-related epilepsy syndrome)

Bei diesen Erkrankungen setzt man Cannabidiol komplementär, also zusätzlich zur schulmedizinisch üblichen Medikation ein.

Bei welchen Beschwerden kann CBD helfen?

Bei anderen Krankheiten ist man noch ganz nicht so weit gediehen. In einer Agenda verweist die Weltgesundheitsorganisation WHO auf einen Review, der sich mit der wissenschaftlichen Literatur zur Wirkung von Cannabidiol in Zellkultur, Tiermodellen und am Menschen auseinandersetzt. Pisanti et al. (2017) bescheinigen CBD einen potentiellen (!) Nutzen bei

  • Morbus Alzheimer
  • Morbus Parkinson
  • Multiple Sklerose
  • Chorea Huntington
  • hypoxisch-ischämischen Schäden nach Schlaganfall
  • Schmerzen
  • Psychosen
  • Angstzuständen
  • Depressionen
  • Krebs
  • Entzündungsreaktionen
  • rheumatoider Arthritis
  • Infektionen mit Krankenhauskeimen wie MRSA
  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn und Colitis ulcerosa)
  • Herzinfarkt
  • Diabetes

So vielversprechend diese Liste klingt, sollte man doch vor vorschneller Euphorie hüten: In fast allen Fällen sind wesentlich mehr klinische Untersuchungen am Menschen notwendig, um eine wissenschaftlich gesicherte Aussage über die Wirksamkeit von Cannabidiol machen zu können.

Insbesondere bei der Heilung von Krebs wird im Internet wesentlich mehr versprochen als die aktuelle Studienlage tatsächlich hergibt – die beschränkt sich bisher auf Experimente an Zellkulturzellen und Tieren. Dagegen gilt die Wirksamkeit von CBD bei Krebspatienten zur Bekämpfung von Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen inzwischen als unstrittig.

Andererseits ist diese Liste sicherlich noch nicht vollständig – so kommt eine beruhigende und schlaffördernde Wirkung darin nicht vor, obwohl sie zu einer der Hauptanwendungen von CBD-Öl gehört.

Hilft CBD gegen Corona?

Zurzeit (Stand 29.10.2020) gibt es weder einen Impfstoff noch eine antivirale Behandlung für COVID-19. Höchste klinische Priorität hat die Besserung der schweren Verläufe, die eine künstliche Beatmung notwendig machen und oftmals tödlich enden. Diese Fälle sind für die Sterblichkeitsrate von Corona verantwortlich.

Bei den meisten Beatmungspatienten führt nicht die Infektion mit SARS-CoV-2 zum Tod, sondern akutes Lungenversagen (ARDS, Acute Respiratory Distress Syndrome). Die Viren rufen im Lungengewebe einen Zytokinsturm hervor, der heftige Entzündungsreaktionen auslöst. Diese zerstören die Alveolen, sodass der Gasaustausch nicht mehr funktioniert und der Patient stirbt.

Cannabidiol beeinflusst das Immunsystem und wirkt Entzündungen entgegen – daher plädierten einige Ärzte bereits zu Beginn der Pandemie für seinen Einsatz bei COVID-19.1,2 Tatsächlich fanden Wissenschaftler der Augusta University im US-amerikanischen Georgia heraus, dass CBD bei Mäusen mit künstlich hervorgerufenem ARDS den tödlichen Zytokinsturm verhindert.3 Eine nachfolgende Studie zeigt, dass dies durch Beeinflussung der Apelin-Expression geschieht. Das Peptid spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Immunabwehr, Zentralnervensystem und Herz-Kreislauf-Funktion. CBD besserte die Beschwerden, indem es die Menge von Apelin in Blut und Lunge erhöhte.4

Die Beeinflussung des Apelin-Systems bietet ein weiteres wichtiges Ziel für die Behandlung von COVID-19-bedingtem ARDS. CBD könnte die überschießende Immunreaktion verhindern, die für die schweren Verläufe und hohe Sterblichkeit bei Risikopatienten verantwortlich ist.

Kauf, Aufbewahrung und Einnahme von CBD

Arzneimittel mit CBD

Die Liste der Arzneimittel mit Cannabidiol ist recht übersichtlich:

  • Epidiolex ist ein Cannabis-Extrakt, der in den USA seit 2018 für die Behandlung von Epilepsie zugelassen ist, speziell beim Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom. Ergänzt man damit die Therapie mit Levetiracetam, Clobazam oder Valproat treten weniger Nebenwirkungen auf und reduziert sich die Zahl der Anfälle.
  • Naboximols (Handelsname Sativex Spray) ist ein Mundspray, das standardisierte Mengen CBD und THC enthält. In Deutschland, Großbritannien, Dänemark und Tschechien ist es für die Behandlung von Patienten mit MS mit spastischen Beschwerden zugelassen und unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz.
  • Die Anwendung von Nabiximols gegen persistierende chronische Schmerzen bei Krebspatienten wurde klinisch überprüft (ClinicalTrials.gov Identifier NCT01337089), hat aber bisher nicht zu einer Erweiterung der Zulassung geführt.
  • Rezepturarzneimittel (Magistralrezepturen) mit CBD sind in Deutschland zugelassen. Diese kann man in der Apotheke nach Verschreibung durch einen Arzt individuell nach den Vorschriften des NRF zubereiten lassen.

Nahrungsergänzung: Wie viel THC ist in CBD-Produkten enthalten?

In Lebensmitteln, zu denen auch Nahrungsergänzungsmittel gerechnet werden, stellt CBD weniger das Problem dar als der Gehalt an THC. Hanfsamen enthalten von nur Spuren, aber bei Ernte und Verarbeitung kann es zu Kontaminationen kommen – selbst bei den zugelassenen Sorten von Nutzhanf. Dementsprechend sind absolut THC-freie Hanfprodukte unrealistisch.

In Deutschland gelten beim THC-Gehalt von Lebensmittel die vom Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) vorgegebenen Grenzwerte:

  • 5 mg/kg bei Speiseölen (gilt somit auch für Hanföl),
  • 0,005 mg/kg bei alkoholischen und nicht-alkoholischen Getränken,
  • 0,15 mg/kg bei allen anderen verzehrfertigen Lebensmitteln,

zu denen auch CBD-haltige Nahrungsergänzungsmittel zählen.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt eine akute Referenzdosis (ARfD) von 1 µg THC/kg vor. Dieser Wert gilt als die maximale Menge einer Substanz, die man pro Tag und Kilogramm Körpergewicht ohne erkennbares Risiko für die Gesundheit zu sich nehmen kann. Psychogene oder psychomotorische Effekte sind bei dieser Menge nicht zu erwarten.

Daraus folgt:

Für CBD-haltige Nahrungsergänzungsmittel gilt ein Grenzwert von 0,15 mg/kg
unter Berücksichtigung der akuten Referenzdosis von 1 µg THC/kg Körpergewicht.

Nicht speziell angereicherte Lebensmittel aus Hanf und NEM mit erhöhten Cannabidiol-Werten unterscheiden sich deutlich in ihren Konzentrationen an CDB und THC. In allen Fällen sollte der vom BfArM vorgegebene Maximalwert von 0,2 Prozent nicht überschritten werden. Die Praxis zeigt, dass es bei der Verarbeitung immer wieder deutlich höhere Werten auftreten.

Welche CBD-Produkte kann man kaufen?

Der CBD-Gehalt liegt bei Nutzhanf zwischen 0,5 und 4 Prozent, bei einigen wenigen Züchtungen sogar über 10 Prozent. Dabei findet man unterschiedliche Mengen in den verschiedenen Pflanzenteilen, ganz ähnlich wie beim THC:

  • Cannabidiol ist vor allem in den Hanfblüten zu finden
  • Etwas niedriger ist die Konzentration in Hanfblättern, aus denen sich wie aus den Blüten Tee zubereiten lässt.
  • Hanfharz (mit hohem THC-Gehalt Haschisch genannt) gewinnt man durch alkoholische oder CO2-Extraktation aus den Trichomen der weiblichen Blüten.
  • Tropfen lassen sich mit einer Pipettenflasche wesentlich einfacher handhaben als die vorgenannten Materialien. Daher ist CBD-Öl die häufigste Anwendungsform. Hier hat man das Harz mit einem Trägeröl (Hanföl, Sonnenblumen– oder Olivenöl) zu einer definierten Konzentration verdünnt, meist 5, 10, 15 oder 20 Prozent.
  • CBD-Kapseln enthalten dieses Öl oder einen standardisierten Hanfextrakt und machen die Einnahme noch leichter. Hier sollte man sich unbedingt an die Dosierungsempfehlungen der Packungsbeilage halten.
  • CBD-Kaugummis, CBD-Bonbons, CBD-Schokolade bis hin zu CBD-Gummibärchen sind eher ungewöhnliche Darreichungsformen und kommen für eine ernsthafte medizinische Behandlung weniger in Frage.
  • Das gilt noch mehr für CBD-Creme, CBD-Gel, CBD-Seife, CBD-Pflaster und ähnliche Produkte. Als Gag zur Verkaufsförderung witzig und erlaubt, aber als Heilmittel wegen unvorhersehbarer Dosierung und Bioverfügbarkeit schlicht Unsinn. Zur reinen Hautpflege eignet sich Hanföl hingegen ausgezeichnet, sodass man es in vielen Kosmetika antrifft.

Testsieger CBD?? Welches CBD-Öl ist das beste?

Die Frage lässt sich kaum zuverlässig beantworten. Könnte man sich auf die Angaben im Internet verlassen, verkauft jede Firma das beste CBD-Öl überhaupt. Mit der Konzentration hat das im Übrigen nichts zu tun – CBD-Harz mit einem Öl zu verdünnen ist kein Hexenwerk. Wichtig ist die Qualität der Ausgangsprodukte, also sowohl des Trägeröls als auch des Hanfes, aus dem das CBD gewonnen wird.

Nach einem Testsieger CBD-Öl wird man im Internet vergebens suchen – Stiftung Warentest hat sich bisher nur mit einer Pressemeldung zu den überhöhten THC-Werten vieler Produkte geäußert, aber CBD noch nie einem Test unterzogen. Gleiches gilt für alle anderen ernstzunehmenden Testinstitute, die sich nicht ausschließlich mit CBD, THC & Co. beschäftigen. Die Suchergebnisse sind dementsprechend mehr als fragwürdig und geben bei näherem Hinsehen oft genug Anlass zu Kopfschütteln.

Im Zweifelsfalle sollte man keinem CBD-Test und CBD-Testsieger im Internet Glauben schenken und auf dubiose Präparate verzichten, deren Anbieter sich mit ihren vollmundigen Versprechungen überschlagen. Greift man auf die Produkte aus Apotheke oder Drogeriemarkt zurück, bleibt wenigstens ein Minimum an Qualitätssicherung gewahrt, und eine Gesundheitsgefährdung durch minderwertiges Material, unsachgemäße Herstellung und fehlende Qualitätskontrollen ist so gut wie ausgeschlossen.

Zudem kann die CBD-Suche auf Amazon die Beratung durch einen qualifizierten Apotheker vor Ort niemals ersetzen. CBD ist eine pharmazeutisch hochwirksame Substanz und kein Spielzeug, schon gar nicht wenn ungeklärte Mengen THC hinzukommen.

Wie muss man CBD-Öl aufbewahren? Wie lange ist es haltbar?

CBD-Öl und andere Cannabidiol-Präparate sollte man wie alle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.

Die Haltbarkeit von CBD-Produkten hängt von der Verarbeitungsform ab. Bei allen zugelassenen Präparaten ist ein Verfallsdatum auf Gebinde oder Umverpackung aufgedruckt, das es unbedingt zu beachten gilt. Nach Ablauf dieses Datums kann der Hersteller eine hundertprozentige Wirksamkeit nicht mehr garantieren.

Cannabidiol selbst ist relativ stabil – beim CBD-Öl ist es das Trägeröl, das mit der Zeit Sauerstoff aus der Luft aufnimmt und ranzig wird. Das häufig benutzte Hanföl hat einen charakteristischen Geruch, aber sobald dieser in ranzig umschlägt, sollte man das Präparat auf keinen Fall weiter benutzen.

Diesen natürlichen Verderb kann man verlangsamen, indem man das CBD-Öl kühl, dunkel und gut verschlossen aufbewahrt, etwa im Kühlschrank. Das gilt insbesondere für angebrochene Fläschchen. Abhängig vom verwendeten Trägermaterial ist CBD-Öl richtig gelagert einige Monate haltbar. Infolge Kühlung auftretende Trübungen sind kein Problem, sie verschwinden beim Schütteln und Erwärmen und beeinträchtigen die Wirksamkeit nicht.

Welche Dosierungsempfehlungen gelten für CBD?

Am einfachsten zu dosieren sind CBD-Öl und Fertigpräparate in Form von Kapseln. Generell sollten Sie sich an den empfohlenen Verzehrmengen in der Packungsbeilage orientieren oder Ihren behandelnden Arzt oder Heilpraktiker nach der richtigen Dosis CBD fragen. Üblich sind Tagesmengen von 20 bis 100 Milligramm, die bei den meisten Beschwerden ausreichen, in Akutfällen setzt man bis zu 800 Milligramm und mehr täglich ein. Dies gilt beispielsweise für die Bekämpfung schwerer Krampfanfälle von MS-Patienten. Solche hohen Dosen sind nur unter ärztlicher und pflegerischer Aufsicht anzuwenden.

Wie viel CBD ist in einem Tropfen CBD-Öl?

Das hängt ganz von der Konzentration des Präparates ab. Als pharmazeutische Faustregel gilt, dass ein Tropfen ungefähr 50 Mikrolitern entspricht – 20 Tropfen ergeben also einen Milliliter.

Nehmen wir ein CBD-Öl mit 10 Prozent CBD:

  • 10 % (w/v) bedeutet 1 ml enthält 0,1 mg = 100 µg Cannabidiol.
  • Ein Tropfen 1/20 davon, also 5 µg.
  • Zwei Tropfen morgens und abends wären jeweils 10 µg,
  • die Tagesdosis läge somit bei 20 µg CBD.

Bei guten Präparaten findet sich eine genauere Angabe zum CBD-Gehalt einzelner Tropfen, deren Volumen von Faktoren wie Ölsorte, Weite der Pipette, Temperatur und so weiter abhängt – und natürlich auch die tägliche Maximaldosis.

Wie soll man CBD-Öl einnehmen?

Meist wird die Einnahme von CBD-Öl zweimal täglich (morgens und abends) empfohlen, aber auch einmal oder dreimal täglich ist möglich. Letzteres ist oft am sinnvollsten: Da die Wirkdauer bei vier bis sechs Stunden liegt, sorgt dreimal am Tag CBD einnehmen für einen gleichmäßig hohen Blutwert.

CBD-Öl kann man mittels der Pipettenflasche direkt auf die Zunge geben. Bei dieser sublingualen Verabreichung sollte man die Tropfen eine Weile im Mund behalten, bevor man sie herunterschluckt.

Wer den charakteristischen Geschmack nicht mag – meistens liegt es am Trägeröl – kann das CBD-Öl stattdessen in ein Getränk oder ins Essen geben, etwa ins morgendliche Müsli. Dann dauert es allerdings etwas länger, bis es wirkt.

Die individuelle CBD-Dosis ermitteln

Beispielsweise bei Schmerzen ist es am besten, die für den persönliche Bedarf optimale Dosis CBD-Öl selbst herauszufinden. Es gibt sehr viele Faktoren, die die Wirksamkeit von CBD beeinflussen, darunter Alter, Körpergewicht, Stoffwechsel (etwa bei Schilddrüsenunterfunktion), allgemeiner Gesundheitszustand, Stärke und Art der Beschwerden und vieles mehr.

Die einfachste Vorgehensweise zur Ermittlung der optimalen CBD-Menge ist das Austitrieren mit steigenden Mengen:

  • Man fängt mit einem Tropfen CBD-Öl an - morgens, mittags und abends - und wartet, ob der gewünschte Effekt auftritt.
  • Ist das nicht der Fall, steigert man am nächsten Tag die Einnahmen um jeweils einen weiteren Tropfen.
  • Das setzt man so lange fort, bis die richtige Menge gefunden ist.
  • Diese Dosierung hält man dann bei nachfolgenden Anwendungen bei.

Wichtig: Die in der Packungsbeilage angegebene Höchstmenge ist unbedingt zu beachten. Bei einer klinischen Behandlung durch einen Arzt oder Heilpraktiker sollte man sich an dessen Verordnung halten und mit ihm über eine Mehreinnahme sprechen, falls die vorgeschlagene CBD-Menge nicht wirkt!

Wie schnell wirkt CBD, und lange hält die Wirkung an?

Wie lange es dauert bis CBD wirkt hängt von der Darreichungsform ab. CBD-Öl resorbieren Mundschleimhaut und Magenschleimhaut recht schnell, sodass meist innerhalb einer viertel Stunde ein Effekt zu verzeichnen ist. Für Hanftee gilt Ähnliches, CBD-Kapseln müssen sich erst auflösen. Ist der Magen mit dem Verdauen einer ausgiebigen Mahlzeit beschäftigt, dauert die Aufnahme naturgemäß etwas länger.

Die Wirkdauer liegt bei vier bis sechs Stunden.

Wann kann CBD gefährlich werden?

Ist CBD für Kinder geeignet?

Gerade beim Nachwuchs sollte man vorsichtshalber auf die Anwendung von CBD verzichten oder auf hochwertige Präparate mit genauen Analysedaten zurückgreifen. Billige, aber dubiose CBD-Präparate mit nicht nachvollziehbarem THC-Gehalt sollte man gerade hier unbedingt vermeiden. Sprechen Sie am besten mit Ihrem Kinderarzt, ob und wie viel CBD bei Ihrem Kind angebracht ist. Empfohlen werden Tagesdosen von zwei bis zwanzig Milligramm pro Kilo Körpergewicht.

CBD in Schwangerschaft und Stillzeit

Viele Schwangere leiden an einer ganzen Reihe von Beschwerden: Übelkeit, Erbrechen, Schlafprobleme, Rückenschmerzen, Depressionen und Ängsten. Daher ist es wenig verwunderlich, dass etliche Frauen auf CBD-Öl zur Bekämpfung von Schwangerschaftsbeschwerden schwören.

Trotzdem darf frau nicht vergessen, dass es sich hier um Einzelberichte handelt und es keine klinischen Studien über die Auswirkungen von CBD während Schwangerschaft und Stillzeit gibt. Wer das Risiko eingehen möchte, sollte sich unbedingt vom behandelnden Frauenarzt und der Hebamme beraten lassen.

Hund und Katze mit Hanf behandeln: CBD für Tiere

Amerikanische Tierärzte beklagen sich seit der teilweisen Legalisierung THC-haltiger Produkte vermehrt über Vergiftungen von Hunden und Katzen – erschreckenderweise vor allem mit Schokolade, die wegen ihres Gehaltes an Theobromin schon ohne Zutun von Cannabinoiden schädlich ist. Aggressives Verhalten, Zittern und Anfälle führen Wissenschaftler vor allem auf den THC-Gehalt minderwertiger CBD-Produkte zurück.

Dessen ungeachtet erscheinen auf dem Markt immer häufiger CBD-Produkte für Hund und Katze, vor allem zur Beruhigung von ängstlichen und gestressten Tieren oder bei Gelenkschmerzen. Vermutlich nicht ganz zu Unrecht, denn eine Reihe von Studien zeigt positive Effekte bei Osteoarthritis und epileptischen Anfällen bei Hunden.

Futtermittel wie Öl, Pellets oder Sticks mit Hanföl und Hanfpulver aus Nutzhanf enthalten geringe Mengen CBD, die beruhigend auf die Tiere einwirken. Auf jeden Fall sind diese Futterergänzungen eine reichhaltige Quelle für mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die Gesundheit und Fell der Tiere sicherlich nicht schaden.

Welche Risiken und Nebenwirkungen hat CBD?

Bei der Anwendung von CBD treten Nebenwirkungen vor allem bei hohen Dosierungen auf. Man führt sie zurück auf

  • direkte pharmakologische Wirkung von CBD selbst,
  • auf Verunreinigungen mit THC,
  • auf die Umwandlung von CBD in THC durch saure Hydrolyse im Magen (worüber Wissenschaftler allerdings noch streiten).

Zu den häufigsten Begleiterscheinungen gehören laut einer US-amerikanischen Studie mit 135 CBD-Anwendern

  • trockener Mund (30 %) durch verminderte Speichelproduktion
  • Euphorie und high-Gefühl (22 %)
  • Appetitlosigkeit (20 %) – im Gegensatz zu THC, das hungrig macht
  • Müdigkeit (19 %)

Vergleichweise selten sind

  • Durchfälle
  • Hautausschläge

In der Regel verschwinden diese Beschwerden nach kurzer Zeit.

Macht CBD süchtig?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt in einem Report von 2017 klar, dass es nach aktueller Studienlage keine Hinweise für ein Suchtpotential infolge oraler Einnahme von Cannabidiol gibt. Psychomotorische Fähigkeiten, Sehvermögen, Herzfrequenz und Blutdruck werden durch CBD nicht beeinträchtigt, ganz im Gegensatz zum Rauchen von Marihuana. Oral verabreicht haben 600 Milligramm CBD keinen von Placebo unterscheidbaren Effekt, wohingegen bereits 10 Milligramm THC zu Halluzinationen, Euphorie und Sedierung führen.

Der „Grapefruit-Effekt“: CBD Wechselwirkungen mit Medikamenten

Cannabidiol macht nicht süchtig und führt selten zu Nebenwirkungen. Die größten Probleme bei der Anwendung stellen Wechselwirkungen mit Arzneistoffen dar.

CBD wird wie die meisten Medikamente vom Darm und vor allem von der Leber weiterverarbeitet. Hierfür sind die Enyzme der Cytochrom P450 (CYP)-Reihe wichtig, die Fremdsubstanzen durch Hydroxylierung oder Carboxylierung verändern. Auf diese Weise lassen sich die wasserlöslich gemachten Abbauprodukte mit dem Blut zu den Nieren transportieren und ausscheiden. Daher kommt es zu teils erheblichen Wechselwirkungen zwischen Cannabidiol und Arzneimitteln.

Dieses Schicksal teilt CBD mit einem recht profanen Nahrungsmittel: Grapefruit. Einige Mediziner sprechen bei der massiven Hemmung von CYP3A4 im Darm scherzhaft vom „Grapefruit-Effekt“. Solche Interaktionen sind auch bei den Cytochromen der Leber möglich, etwa bei gleichzeitiger Einnahme von

  • Analgetika (Fentanyl und nicht-steroidale Antirheumatika/NSAR wie Ibuprofen, Paracetamol, Diclofenac)
  • Antiarrhythmika (Amiodaron, Dronedaron)
  • Antiasthmatika (Theophyllin)
  • Antibiotika (Clarithromycin, Erythromycin, Rifampicin, Nevirapin, Efavirenz)
  • Antiemetika (Ondansetron)
  • Antiepileptika (Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepin, Eslicarbazin)
  • Antihistaminika (Fexofenadin, Loratadin)
  • Antikoagulanzien (Warfarin)
  • Benzodiazepine (Aprazolam)
  • Blutdrucksenker (Felodipin, Losartan, Propanolol, Verapamil)
  • Gichtmedikamente (Colchicin)
  • HIV-Medikamente (Indinavir)
  • Immunsuppressiva (Everolimus)
  • Phosphodiesterasehemmer (Cilostazol)
  • Psychopharmaka (Neuroleptika/Antipsychotika/Antidepressiva wie Risperidon, Tetrabenazin, Clobazam, Clozapin, Amitriptylin, Haloperidol, Johanniskraut)
  • Säurehemmern (Protonenpumpenhemmern wie Pantoprazol, Omeprazol, Lansoprazol)
  • Spasmolytika (Chlorzoxazon)
  • Statine (Atorvastatin)
  • Zytostatika (Flutamid, Oxaliplatin, Erlotinib)

und etlichen anderen Arzneimitteln. Erkundigen Sie sich bei einer Selbstbehandlung mit CBD bei Ihrem Arzt, ob Ihre Medikamente ebenfalls damit interagieren.

Warnhinweise und Kontraindikationen: Was man beim Gebrauch von CBD beachten muss

Aufgrund der Wechselwirkungen mit anderen durch Cytochrom P450 verarbeiteten Substanzen ergibt sich eine Reihe von Warnungen, die es bei Einnahme von CBD-Produkten unbedingt zu beachten gilt:

  • Patienten, die auf eine tägliche Medikation mit interagierenden Arzneimitteln angewiesen sind, sollten CBD in Form von Öl oder anderen Mittel – wenn überhaupt - in deutlichem zeitlichem Abstand einnehmen.
  • Bei vorgeschädigter Leber nach Alkoholmissbrauch, Hepatitis und ähnlichem ist eine Anwendung von CBD streng kontraindiziert.
  • Gleiches gilt für Krebspatienten, die sich parallel dazu einer Chemotherapie unterziehen – obwohl sich gerade hier Hanfprodukte gegen Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen anbieten. Der verlangsamte Abbau vieler Zytostatika führt zu anhaltend hohen Konzentrationen im Blut, die unvorhersehbare Effekte nach sich ziehen. Fragen Sie unbedingt Ihren Onkologen, ob eine gleichzeitige Einnahme von CBD bei Ihrer Chemo möglich ist.
  • Ebenso sollte man Cannabidiol niemals zusammen mit Alkohol oder Drogen einnehmen
  • Studien deuten darauf hin, dass CBD den Augeninnendruck erhöht – im Gegensatz zu THC, das ihn erniedrigt. Daher sollten Patienten mit Glaukom (Grüner Star) auf die Einnahme verzichten.

Eine Absprache mit dem behandelnden Arzt ist in all diesen Fällen dringend anzuraten!

Quellen, Links und weiterführende Literatur

Wissenschaftliche Publikationen

Studien im Bezug auf Corona:

Links

Ratgeber

Autor
Dr. rer. medic. Harald Stephan - Biologe und promovierter Medizinwissenschaftler

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